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Sonntag, 7. Dezember 2014

Donnerstag, 20. März 2014

lebensabend

es kam vorhin mit dem windstoß. dieser war sanft und vor allem mild. ja, ich weiss, die laune hebt sich durch licht und wärme, aber es passierte auch etwas anderes. die wärme umarmte mich. ich dachte mir, dass es besser wäre den lebensabend dort zu verbringen, wo es auch im winter mild ist. dort, wo die sonne sich nicht ständig verkriecht. ich möchte dort sein, wo die alten männer sich morgens zum caffè in den bars treffen, unnatürlich laut radio hören und viel starken tabak rauchen. ich möchte dort sein wo boule gespielt wird und dort sein wo ältere menschen gesichter wie rosinen haben. so runzelig. ich möchte dort sein, wo jeden tag markttag ist. wo die tischdecken bunt sind. dort wo die autos, vor allem die in jahre gekommenen, kein rost haben. ich möchte gerne dort sein, wo emotionen gezeigt werden. wo menschen auch mal laut werden, auch weinen, auch laut lachen. ich möchte dort sein, wo die wäsche draussen aufgehängt wird. dort, wo das meer und der hafen sich freundlich vereinen. ich mag dort sein, wo die markthallen nach fisch riechen, wo die händler laut schreien. ich mag dort sein, wo der wein vor der türe wächst und es keine deutschsprachigen zeitungen mehr gibt. ich mag dort sein und durch die engen gassen laufen. mag die streunernden katzen streicheln und die hunde auch.
dort möchte ich mit der alten knatternden vespa an der küste entlangfahren. in die nachbarsorte. möchte mich mit anderen treffen und die altersflecken an den händen vergleichen. darüber lachen. dann die sonnenbrille aufsetzen und zurückfahren. dann mag ich mich auf diesen balkon setzen. aufs meer hinausschauen. den warmen wind spüren, der mich umarmt. und ich mag mich dann gerne erinnern, dass früher alles anders war.


Donnerstag, 13. Februar 2014

regentanz

es regnet. es ist kalter regen. trotzdem möchte ich am liebsten raus auf die strasse. der regen erwischt den asphalt. es dampft und riecht frisch. ich möchte meine arme hochstrecken. meinen mund aufmachen und die tropfen schlucken. so habe ich es als kind immer gemacht. regentanz nannte man das. auch wenn niemand tanzte. heute würde ich mich am liebsten dabei ausziehen. oder angezogen bleiben und warten, bis die nasse kleidung am körper klebt. sich alles abhebt. die kleidung eingeht. dann möchte ich die arme noch weiter nach oben strecken, bis ich die grauen wolken berühre. dann warte ich bis sie mich umarmen und nicht mehr gehen lassen.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

im außenbezirk

die nacht war kurz. der club war überfüllt. laut. die lichter grell. stroboskopisch. ich suchte die bar des clubs auf. ich betrank mich. wie jeden abend eigentlich. und dort arbeitete er. oberkörperfrei. anders konnte man es ohnehin in diesem dunstkreis nicht aushalten. ich hatte noch die sachen aus dem büro an. ich war völlig durchnässt. aber angetörnt von den gedanken ihn wieder zu sehen.  er mixte die drinks. tanzte. und ab und zu lächelte er rüber. ein lichtblick. dann war ich auf dem klo. überall wurde gekokst. geknutscht. gefummelt. ach, vieles mehr noch. erst fand ich es berauschend, doch irgendwann wurde es mir zuviel. es ekelte mich an. ich war kein voyeur. das leben hatte ich ohnehin satt. aber an diesem mann konnte ich mich nicht satt sehen. irgendwann schlief ich an der theke ein. dann berührte mich ein arm. sein arm. wir schliessen,  ich muss dich rauswerfen, sagte er. ich war so fertig, dass ich ihn kaum erkannte. ich lallte irgendwas vor mich hin und mit langsamen schritten bewegte ich mich raus in die kälte. ich schaffte es nicht ein taxi zu rufen.
dann wachte ich auf. ich sass im taxi. er neben mir. in pullover und jacke. verrätst du mir jetzt wo du wohnst, sonst muss ich dich mitnehmen, er lachte. ich sah aus dem fenster. grau zog die stadt an uns vorbei. menschen stiegen in busse, strassenbahnen oder fuhren rad. das licht der ampeln strahlte uns an. ich wollte nicht wissen, wie ich aussah. die scheibe des taxis gab mein spiegelbild nicht her. es war mir peinlich, dass er mich so sah. ich komme mit, entschied ich. wir fuhren zu ihm. er wohnte am rande der stadt. ich schleppte mich in den 4.stock des altbaus hoch und landete in einer wohnung. klein, warm. mit schönem boden. er brachte mich in die küche und ich setzte mich. die küche war klein. vollgestopft mit töpfen, pfannen, messern. schälchen, äpfeln, birnen und getrockneten kräutern. ich dachte an meine riesige kahle, ja fast sterile wohnung. ich kochte nie. aß immer auswärts und in hotels, in welchen ich übernachtete. er zog seine jacke aus und machte uns kaffee. mein kopf dröhnte. ich traute mich kaum ihn anzusehen. er stand wie aus dem ei gepellt vor mir. jeans. t-shirt. barfuss. als ob er nie gearbeitet hätte. zumindest nicht in dieser hölle. er reichte mir den kaffee. danke, es ist mir ein wenig peinlich, dass du mich so siehst, sagte ich leise. das ist ok, sagte er. ich trank langsam. dann kam eine katze herein. das ist heroin, sagte er und hob heroin hoch. heroin war schneeweiss. ich musste lächeln. fragte nach dem badezimmer. hinten rechts. ok. im bad standen tübchen und cremedöschen. duschgels und bodylotions. drei parfümsorten. kaltwachs. ich suchte vergeblich nach o.b.'s und frauenhöschen.  fand nichts. sah mich im spiegel an und sah wieder weg. wusch mir lange die hände mit einer honigseife und ging zu ihm und heroin zurück. es war mittlerweile hell. und das im winter. ich wusste nicht was ich wollte. ich wollte nicht nach hause. da wartete das leben. das langweilige luftleere leben.  hier, hier gab es sehnsucht. und sehnsucht war lebendig. und lebendigkeit konnte ich mir nicht kaufen. du kannst noch bleiben, sagte er. ich muss mich hinlegen. habe später paar vorlesungen, er griff kurz nach meiner hand. was studierst du, fragte ich. medizin, sagte er. ich stand auf. wollte was sagen. wusste nicht was. mir war schwindelig. es war ein traum hier zu sein. bei ihm. in seiner wohnung. mit einer katze, die heroin hieß. du hast dich noch nicht geoutet, nicht wahr? er sah mich an. nein, sagte ich. mein magen rebellierte. fast musste ich kotzen. ich musste kreidebleich sein. er öffnete das kleine fenster. komm, sagte er. die luft war kühl. ein nebel hing über der stadt. hier und da dampfte es. bleib bei dir, dann wird es dir besser gehen. ich schloss die augen. er verließ die küche. heroin blieb. und ich auch.


Montag, 24. Juni 2013

weisse laken

'bist du noch da?'
'ja!'
'für immer?'
'ja!'
'auch wenn ich alt bin und bald aussehe wie eine rosine?'
'ja, auch dann!'
'auch wenn ich böse bin?'
'ja, denn du bist nicht böse!'
'auch wenn ich krank bin?'
'ja, besonders dann!'
'wirklich?'
'ja, wirklich.'
'warum?'
'weil es dich exakt nur einmal gibt, deshalb bin ich da!'
'jetzt muss ich weinen!'
'auch da bleibe ich bei dir!'
'ok!'
dann machte sie die augen zu.

Montag, 8. April 2013

grüsse aus jungbrunn


am sonntag im rheingau-rentnerviertel gestrandet. lag in der sonne im wiener café. auf dem tischchen neben mir ein kännchen koffeinfreier kaffee und diabetikerkuchen. um mich herum viele menschen mit weissem und silbernem haar, welche wie mit bügelstärke eingesprüht an den kleinen runden tischen hockten und ihre sachertorte mit mühe aufpickten. dazwischen eine hochmotivierte russische und eine lahmarschige deutsche bedienung. dann habe mir schon mal vorgestellt 80 und gebrechlich zu sein. ok, 85 und gebrechlich zu sein. dachte an meine dritten, aber nicht an meine enkelkinder, dachte an die gehhilfe und meinen jungen pfleger dimitri. dachte an die bucklige verwandtschaft & wie sie sich um mein schwerverdientes geld kloppt, wenn ich erstmal unfreiwillig den abgang mache. 
meine vorstellungskraft hat nicht ganz ausgereicht, aber vom alter leicht angehaucht bin ich mit pauken und trompeten zurück nach frankfurt gereist, um dort wieder meine jugendlichkeit zurückzugewinnen. und siehe da, beim italiener um die ecke, wo luigi und seine freunde schwarzgeld waschen, neben prosecco, anti-pasti, seezunge in äh salzkruste & viel bla bla wurde ich wieder ich. hungrig, frech und fast 37.


Sonntag, 10. Februar 2013

l'art d'aimer


 'il n'y a pas d'amour sans musique'

Donnerstag, 7. Februar 2013

der duft von gurken

als wir uns das letzte mal sahen roch es nach gurken. draussen war es nicht wirklich kalt, aber auch nicht warm. heute habe ich das herrenhemd an, welches noch entfernt nach dir riecht. der kragen ist etwas aufgerauht, wie junges wildleder. du hattest einen dreitagebart. die rauhen auf. hemdkrägen, schals, frauenhaut. die ärmel sind sehr lang, ich habe sie aufgerollt, was irgendwie komisch aussieht. wie wurstringe  aus stoff. es ist leise. ab und zu lade ich chopin ein, er spielt für mich. dann sage ich beethoven bescheid. auch er spielt für mich. und mozart ist wie immer fröhlich. die fenster muss ich putzen, sobald es aufhört zu stürmen. das alte radio ist kaputt gegangen. es verstummte plötzlich. aber ich mag dinge, die eine vergangenheit haben.
ich schaue aus dem fenster und sehe die wellen, wie sie alles hervorholen und wieder wegspülen. bilder. laute. beweggründe. schuld. nichts kann diese entfernen. nicht mal ebbe und flut. es gibt menschen, die nie nach dem warum fragen. es ist leichter für sie abzuschalten, als zu verstehen. tagtäglich frage ich mich. der sand am strand ist kühl. ich laufe weiter. schliesse die augen und was übrig bleibt ist der duft von gurken.




Montag, 21. Januar 2013

partikel





Sonntag, 20. Mai 2012

gestern

zwischen menschengewühl vor dem gemüsestand, der drogerie und beim blumenhändler sah ich sie. sie war ungefähr 22jahre alt. sonnenbrille auf. haare lang, blond und offen. sie lief etwas langsam. hatte ein weisses kleid an. neben ihr eine freundin. ich wunderte mich, weshalb sie so langsam lief. deshalb wollte ich ihre beine und schuhe sehen. was ich sah war eine hightech prothese. und nicht nur eine. beide beine waren nicht mehr die ihren. eine innere stille krise erfasste mich. welch ein mut. wie kann man ohne beine so frei sein. ein kniekurzes kleid anhaben. lachen.
dann überlegte ich.
vielleicht wurde sie ohne beine geboren. wurde jahrelang an einen rollstuhl gefesselt oder in gynoide kunststoffpuppenbeine gepresst.
durch wissenschaftlichen fortschritt bekam sie ihre eine art porsche-beine. und durch eine anpassung und regelmässiges training konnte sie sich wieder frei bewegen. radfahren. museen besuchen. shoppen.
ja. vielleicht war es genauso.

tolles mädchen.