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Mittwoch, 8. Mai 2013

mittwoch

heute morgen sah ich sie in der ubahn. zwei mädchen, wohl ihre töchter, sassen um sie herum. nein, schön war sie nicht. hübsch auch nicht. darum ging es auch nicht. sie hatte mit schwarzem kajal nachgezogene marlene-dietrich-gedenkaugenbrauen & einen trenchcoat, welchen meryl streep in kramer vs kramer schon lässig um ihren körper schnürte. die grossflächige brille mit goldrand erinnerte ebenfalls stark an 1979. ihre haare waren eine mischung aus wet- und fatlook und sie sah mich prüfend an. ich lächelte. irritiert lächelte sie zurück. auch die beiden mädchen grinsten, wenn auch nur schüchtern.
dann vergaß ich alle & stieg aus.

Dienstag, 19. März 2013

rebell

heute morgen sah ich james dean. er sass in der u-bahn und sah mich durch seine hornbrille an.
er war schöner als james dean. und auch ein rebell. aber ein sanfter. er lächelte. ich stieg aus.

Mittwoch, 13. Juni 2012

tief unten

zwei frauen pressen sich in die überfüllte u-bahn. ihre hände umschlingen die haltegriffe. eheringe blitzen auf. und schiefgefeilte fingernägel.

>hast du das gestern mitbekommen?<

>das mit der telefonanlage?<

>ja!<

>ich sag' es ja. mit der telefonanlage fängt es an. die firma ist bald pleite!<

>meinst du wirklich?<

>klar, das hatte ich schon mal so erlebt.<

>und? was machen die kinder?<

>gut, am wochenende sind sie wieder bei peter.<

>aha. und? hat peter noch die junge neue?<

>ach, hör mir auf. dieses luder. das ganze geld holt sie ihm aus der tasche. der ist blind vor liebe oder sex. keine ahnung.< das gesicht der frau rötet sich. nein, vielmehr bekommt sie heckmeckflecken.

> mach dir keinen kopf. sex. und mein mann. ich sag dir. der hat das wochenende in der garage      verbracht. ausmisten hat er es genannt.< dieser dame beschlagen gerade die brillengläser.
 > der sex ist bestimmt 18monate her. dafür haben wir einen neuen wagen. den darf ich dann fahren, wenn er getrunken hat.< hektisch werden die brillengläser geputzt.

>ehrlich? ich dachte bei euch ist es so idyllisch.<

>ja, im garten vielleicht. und jetzt in der garage.sei froh, dass du getrennt bist.>

>was ist mit dem typ aus der versicherungsabteilung? schwänzelt er immernoch um dich herum?>

>ach, der. mit mir will er mittagessen. und nach der arbeit trifft er sich mit dieser, dieser spanierin. carmen oder wie die heisst. da habe ich keine lust drauf. <

>echt? das ist ja ein arsch. >

>mhh. ja. ist er. im fahrstuhl hat er mich letztens richtig körperlich bedrängt. fand das schon toll, aber dann kam carmen in den fahrstuhl. auf ihren dürren storchenbeinen. mit ihr- ihr bleierndes parfum. unmöglich. haare hat die. doppelt so dick wie ich meine. und pechschwarz. igitt.<

>die rasiert sich tot!<

>wahrscheinlich!< grinsen macht sich breit.

>vergiss' ihn. der bekommt mit spanien noch genug krise.<

>ja, hast recht. und du denk' nicht an peters neue. die ist eh bald weg vom fenster, wenn sie ihn genügend ausgesaugt hat.<

>soll er mal schön auf die reinfallen. dann kommt er wieder angekrochen. aber dann ist es zu spät.>

>genau! <

nassgeschwitzt beobachte ich wie die frauen die ubahn verlassen. mit ihren mäntelchen. schirmen. und ihren douglasfalttaschen. wahrscheinlich voll mit sorgen.




Donnerstag, 26. April 2012

frankophil in frankfurt

heute morgen stand ich noch etwas verschlafen in der u-bahn. immer die gleichen gesichter. so kam es mir zumindest vor. fast welke mitfahrer. obwohl wir frühling haben. dann stieg ein mann mit seinen zwei töchtern ein. auch eine frau mit sperrigem kinderwagen. na toll. alle rückten zusammen. ich drehte meine musik im ohr lauter. hatte keine lust neben der ohnehin schon hautnahen kommunikation noch feuchtes kindergebrabbel oder atemlose beziehungsgespräche mitzubekommen. plötzlich vernahm ich musik. aber eine andere. der mann sprach französisch. nein. doch! und zwar mit der kinderwagenfrau. sie hatte rougerote wangen. einen strengen zopf. er braune knopfaugen und lockige haare.  ich wurde ganz ohr. wollte nicht hören, was sie sagten- sondern wie sie es sagten. irgendwie war die frankfurter u-bahn nicht mehr die gleiche. die metro rief und mich überkam grösste sehnsucht. am bahnhof wollte ich gar nicht aussteigen, sondern weiterfahren und zuhören. schön war das.

paris sollte wieder besucht werden. und ich kann im freudentaumel wieder untertauchen.