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Donnerstag, 28. April 2016
Dienstag, 16. Februar 2016
das knistern des zigarettenpapiers
Die ORF-Studios in Wien sind vorwiegend aus Holz und atmen noch den Geist der Nachkriegsmoderne; man ahnt graue Bandmaschinen und in hellen Regalen archivierte Tondokumente. Auch der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan ist von einer spezifischen existenziellen Wucht, die so nur in den Fünfzigerjahren zu verorten sein kann. Die Regisseurin Ruth Beckermann hat die Schauspieler Anja Plaschg und Laurence Rupp in diese Räume gestellt und lässt sie, oft in Großaufnahme, aus den mit Bedeutung aufgeladenen und entrückten Briefen lesen. Die beiden sind ungefähr genauso alt, wie Bachmann und Celan es damals waren, und sie entsprechen auch ihrem Typ: Rupp hat etwas Weiches und ein entfernt poetisches Flair, Anja Plaschg, die unter dem Namen "Soap & Skin" ziemlich interessante Popmusik macht, wird genauso inszeniert wie Bachmann damals auf dem berühmten Spiegel-Cover: kurze Haare, große Augen und vor allem volle, aufgeworfene Lippen.
Die Grundidee des Films "Die Geträumten" ist es, die jungen Schauspieler von heute mit den jungen Dichtern von damals zu konfrontieren. Sie lesen, als Spiel im Spiel, die Texte für eine Radioproduktion ein, beginnen ernst und herantastend, dann tritt der Aufnahmeleiter ins Bild und rückt die Mikrofone zurecht. In der Pause sitzen sie auf einer Treppe im Freien, drehen Zigaretten und kichern. Die "Liebe" ist ein großes Wort, und Bachmann und Celan umkreisen es intensiv. Es gibt immer wieder gegenseitiges Unverständnis und Hilflosigkeit: Celan, der überlebende Jude, Bachmann, die sich in die Rolle des Opfers hineinzudenken und hineinzuschreiben versucht. Als Anja Plaschg Bachmanns pathetische Sätze "Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, und ich habe verloren" nach einer ersten Abwendung Celans gelesen hat, hält sie sich das Manuskript vors Gesicht, verbirgt ihre Rührung und ihr Befremden - es gibt mehrere starke Szenen, in denen Distanz und Annäherung, Faszination und Abwehr in einem einzigen, widersprüchlichen Gesichtsausdruck festgehalten werden.
Auf dem Höhepunkt der Beziehung 1957/58, Celan wohnt in Paris, Bachmann in München, geht es oft darum, wer zu wem kommt. Die Schauspieler fangen an, in den Pausen über die Verhaltensweisen der beiden Dichter zu diskutieren, Rupp ist verwundert und fragt nach, Plaschg versetzt sich in Bachmann hinein. Die immer größere Nähe wird aber auch wieder aufgefangen durch entlastende Kalauer beim Zigarettendrehen. Das kann Plaschg nicht so gut, Rupp sagt: "Ich mach's dir", und Plaschg beginnt zu prusten: "Soll ich jetzt auch kommen?" Sie zeigt ihre Tattoos, die durch und durch von heute sind. Aber wenn sie auf dem Boden liegen und über Kopfhörer James Brown aus dem Jahr 1967 hören, scheinen ihre Körperbewegungen auf merkwürdig stimmige Weise dem Duktus des Briefwechsels zu folgen.
Es ist ein Kammerspiel, und es geht mehr um den Blick der Gegenwart als um den konkreten Zeithintergrund. So übernahm die Regisseurin im Publikumsgespräch auf der Berlinale ungeprüft das Klischee, Autoren wie Grass oder Heißenbüttel (die gar nicht anwesend waren) hätten Celan 1952, bei seiner Lesung auf der Tagung der Gruppe 47"wirklich ausgelacht". Diese sonderbar begierig weiterverbreitete Legende geht einzig und allein auf ein 1976geführtes und eher selbstdarstellerisches Interview von Walter Jens zurück.
Mit den hervorragenden Schauspielern und der konzentrierten Bildsprache gelingen Ruth Beckermann jedoch über weite Strecken paradoxerweise schöne Anklänge an ein altes Überwältigungskino. Der Briefwechsel von Bachmann und Celan, der etliche Seitenstränge hat, viele Differenzierungen und Abwägungen, ist auf die emotionalen Effekte reduziert. Manchmal werden Briefsätze und Zeilen aus verschiedenen Gedichten aus ihrem Zusammenhang gerissen und collagiert. Bachmanns Briefzeile "Aber sind wir nur die Geträumten?", in Anspielung auf Celans "es stehn / die Geträumten für / die Mitternachtsziffer", wird dreimal an verschiedenen Stellen wiederholt. Dabei wird Bachmann unter der Hand eine souveränere und realistischere Haltung zugeschrieben, obwohl im Briefwechsel klar wird, dass das Bild der "Geträumten" auf sie selbst zurückgeht. Aber der Film macht Lust, weiter über diesen spannungsgeladenen Briefwechsel und seine heutigen Lesarten zu diskutieren.
(quelle: die geträumten/süddeutsche/15.02.2016)
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Sonntag, 22. November 2015
parlez-vous français?
paris, warum liebe ich dich? ist es dieses leben auf den strassen? die verzweigungen, das ungezwungene und die passion? das essen? der wein? ist es eine gewisse ehrlichkeit, die mir imponiert? ein nicht-aufgesetzt sein?
nach dem wiederholten terroranschlag werden diese freie stadt und ihre menschen bedroht; in ihrer freiheit, in ihrem denken und in ihrem handeln. touristen, die das leben dort einatmen wollen schrecken zurück und die menschen dort müssen mit der vergangenheit leben und nach vorne blicken.
auch in brüssel, wo man französisch spricht herrscht momentan ausnahmezustand. es macht mich wütend, ich spüre hilflosigkeit und gleichzeitig respektiere ich die schutzmaßnahmen - diese schockstarre muss unerträglich sein, auch wenn sie letztendlich der sicherheit dient.
ich weiss nicht, was noch alles passiert und ich versuche den kopf freizubekommen, innerlich an diesem unglück zu wachsen und mich solidarisch mit den bedrohten menschen zeigen.
paris, brüssel- das ist für euch, ein stück paradi(e)s für jeden:
Montag, 16. November 2015
Mittwoch, 11. November 2015
Freitag, 9. Oktober 2015
Freitag, 28. August 2015
françoise
i appreciate my life with an artist, because everything becomes art, our life is a gallery.
i've found françoise in paris.
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Montag, 3. August 2015
Dienstag, 9. Juni 2015
seine-sucht
as the sun sets on the banks of the seine, clémence poésy settles into a vintage ride to read a love letter written by poet paul éluard, to his first wife, gala, on friday may 15, 1936, several years after she had left him for salvador dalí. poésy takes on the tone of a modern-day gala, a self-assured seductress, who was famously a muse to a whole slew of surrealist artists and writers, including max ernst and andré breton. reading the letter with a hint of regret, she stands firm by her decision to trade in the poet for the painter.
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Mittwoch, 1. April 2015
Dienstag, 10. März 2015
Samstag, 28. Februar 2015
Mittwoch, 18. Februar 2015
Sonntag, 15. Februar 2015
Samstag, 14. Februar 2015
Sonntag, 25. Januar 2015
Donnerstag, 8. Januar 2015
Donnerstag, 9. Oktober 2014
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