Posts mit dem Label ein gedicht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ein gedicht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. Juni 2015

die vier jahreszeiten


wirtschaft
blütezeit


kultur
ackerbau


gesellschaft
blätterberge


politik
eisiger wind

Donnerstag, 21. März 2013

engel und lieder


ich ließ meinen engel lange nicht los, 
und er verarmte mir in den armen 
und wurde klein, und ich wurde groß: 
und auf einmal war ich das erbarmen, 
und er eine zitternde bitte bloß. 

da hab ich ihm seine himmel gegeben, - 
und er ließ mir das nahe, daraus er entschwand; 
er lernte das schweben, ich lernte das leben, 
und wir haben langsam einander erkannt...

aus: frühere gedichte -engellieder/rilke

Montag, 17. Dezember 2012

advent


weißt du, ich will mich schleichen
leise aus lautem kreis,
wenn ich erst die bleichen
sterne über den eichen
blühen weiß. 


wege will ich erkiesen, 
die selten wer betritt 
in blassen abendwiesen? 
und keinen traum, als diesen: 
du gehst mit.

aus: advent, 1898 / rilke

Dienstag, 25. September 2012

herbsttag


herr: es ist zeit. der sommer war sehr groß. 
leg deinen schatten auf die sonnenuhren, 
und auf den fluren laß die winde los. 

befiehl den letzten früchten voll zu sein; 
gieb ihnen noch zwei südlichere tage, 
dränge sie zur vollendung hin und jage 
die letzte süße in den schweren wein. 

wer jetzt kein haus hat, baut sich keines mehr. 
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, 
wird wachen, lesen, lange briefe schreiben 
und wird in den alleen hin und her 
unruhig wandern, wenn die blätter treiben. 

aus: buch der bilder/rilke

Donnerstag, 23. August 2012

als

du mich einst gefunden hast
da war ich klein
so klein
und blühte wie ein lindenast 
nur still in dich hinein
vor kleinheit war ich namenlos
und sehnte mich so hin
bis du mir sagst
dass ich zu gross für jeden namen bin:
da fühl ich dass ich eines bin
mit mythe, mai und meer
und wie der duft des weines
bin ich deiner seele schwer

aus: frühe gedichte (mädchengestalten)/rilke

Sonntag, 1. Juli 2012

raum &


traum

betrunken vor müdigkeit
laufe ich durch einsame strassen
verpasse jede bahn und jeden zug
in menschenmassen stehe ich nackt ohne scham
mit kindern lache ich
mit alten weine ich
brennende häuser lösche ich
in der einsamkeit ertrinke ich
reden kann ich nicht
ich falle den berg hinab
um freudig weiterzutaumeln
ohne hast
barfuss am strand komme ich an
der wind schlägt gedanken weit weg
so tauche ich ein ins kalte wasser
um aufzuwachen im warmen laken

Mittwoch, 30. Mai 2012

der westen



im supermarkt

kilometerlange gänge
mit  roten persilschleifen und den weissen riesen
knisternden gummibären und  lila kühen
rotem fleisch und ein stück gelbwurst dazu
milch in unsichtbaren papiertüten und abgepackter löcherkäse 

an der kasse
ein funkelndes spielzeugparadies
  auch hubba bubba und smarties
der wagen voll mit miracolli und vhs-videokassetten
auf dem band ein nicht endender convoy
gezahlt wird auch mit papier, aber es ist geld

Sonntag, 27. Mai 2012

peace piece

der zeh 

es tat sehr weh
der zeh wollte gehen
ich hielt ihn fest
aber geblieben ist er nur halb
heute zieht es leicht
wenn ich ihn sehe wird er rot
und ich denke an die zeit
wie es früher war
als er noch ganz war
schön und stolz
schmückte er meinen gang und meinen schuh
und muss jetzt stehen zu seinem gehen

Donnerstag, 24. Mai 2012

aus gegebenem anlass

wie soll ich meine seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern dingen?
ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
verlorenem im dunkel unterbringen
an einer fremden stillen stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine tiefen schwingen.
doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein bogenstrich,
der aus zwei saiten eine stimme zieht.
auf welches instrument sind wir gespannt?
und welcher geiger hat uns in der hand?
o süßes lied.

rainer maria rilke, liebes-lied -neue gedichte (1907)